Das Erste Improvisierende Streichorchester
– LandArt und Intuition

Da kommt zusammen was zusammen gehört: LandArt und Ökodorf, improvisierende Musikergemeinschaft und strukturierte (?) Dorfgemeinschaft, die Streicher und der Wind und die Weite der Altmark.
Mit dem „Ersten improvisierenden Streichorchester“ konnten wir die ersten und einzigen Altmeister der Landschaftsbespielung zu uns einladen. Sie werden künstlerisch gestalten, was das Ökodorf inhaltlich gestaltet hat: Das Zusammenwirken, der Zusammenklang von Mensch und Natur. Durch die jeweilig auf den Ort abgestimmte LandArt - Performance erscheint die Landschaft, in der sich die MusikerInnen bewegen plötzlich anders als gewohnt, wird zum Kunsterlebnis.
Wir dürfen gespannt sein, welche musikalischen Wahrnehmungen uns das Orchester im Ökodorf bietet.
Eine kurze wilde Geschichte des Orchesters

Mit Pumps durchs Geröll, mit Turnschuhen auf den Kirchturm, bei Sturm durch den Park und bei brennender Sonne durch den Sand - nach 26 Jahren radikaler Streicherpraxis hat sich noch kein zweites Improvisierendes Streichorchester gegründet.
Das erste improvisierende Streichorchester, kurz E.I.S. wurde 1984 in der Uni Oldenburg von MusikerInnen aus Deutschland, der Schweiz, Italien, Holland und Luxemburg gegründet. Sie kamen aus den Bereichen Jazz, Klassik, Improvisation, Weltmusik und entwickelten über die Jahrzehnte unbeirrt bahnbrechende Neuerungen im Streichersound und Streichperformance. Viele vom E.I.S. erstmalig aufgeführte Konzepte finden sich inzwischen in der unterhaltenden und in der neoklassischen Musikszene wieder.
In den „wilden“ 80er Jahren hieß das Motto „Bei uns ist alles erlaubt, was bei Karajan verboten ist“. Bewusst ließen die StreicherInnen Noten, Dirigent, traditionelle Sitzordnungen hinter sich und boten wilde Shows. Einem damals vorherrschenden Zeitgeist entsprechend definierte sich das Ensemble als „radikal demokratisch“. Bei Einhaltung gewisser „Anstandsgrenzen“ durfte JedeR spielen und performen was ihm oder ihr einfiel. Organisatorische und künstlerische Entscheidungen wurden im Plenum diskutiert, jeder Ansatz von Management durch eine Hand verzichtete nach kurzer Zeit auf die Zusammenarbeit. Dennoch eroberte das E.I.S mit diesen anarchistischen Konzerten die Kulturzentren in Deutschland, spielte in Rundfunk und Fernsehen und tourte mit dem Reisebus bis in die Schweiz und Italien.

Im Laufe der Jahre experimentierte das Orchester in unterschiedlichste Richtungen und arbeitete kontinuierlich an neuen Formen und Möglichkeiten orchestraler, improvisierter Streichmusik. Es gab eine sehr puristische Phase, in der fast nur mikrotonale Klänge produziert wurden, aber auch Workshops mit Regisseuren und Schauspielern zur Weiterentwicklung von Choreografien und Präsentationen. Gemeinschaftlich wurden die klanglichen Dimensionen des Instrumentariums, sowie unkonventionelle Spieltechniken erforscht.
Ende der 80er, Anfang der 90er begann sich das Orchester intensiv mit der Bespielung ungewöhnlicher Räume jenseits konventioneller Veranstaltungsorte zu beschäftigen. Die MusikerInnen suchten ihr Publikum in Alltagsräumen auf und fanden sich spielerisch an Orten jenseits der Konzertsäle wieder. Die später als musikalische LandArt bezeichneten Konzepte beendeten die anarchische Phase und die MusikerInnen improvisierten innerhalb festgelegter Szenerien. Dabei wurden und werden Orte, Zeitpunkte und –dauer, sowie musikalische Motivik von einem Komponisten oder einer „Arrangiergruppe“ festgelegt und schriftlich festgehalten.
Unter der Leitung von Willem Schulz inszenierte 1987 das Streichorchester seine erste Ortsbespielung in Osnabrück. Das Projekt „gestrichen“ begann frühmorgens um 7 Uhr auf dem Busbahnhof und endete Nachts um 23 Uhr in einer Veranstaltungskirche. Dazwischen erlebten die Osnabrücker für einen Tag in ein immerwährendes Streichkonzert: im Schallplattengeschäft Soli zu Rockklängen, Mozarts Violinkonzerte in einer Telefonzelle , skurrile Bankraubkrimis in der Sparkasse, ein Tangoensemble im Rathaus, Jimi Hendrix-arttige Geigensoli vom Kirchturm und diverse Platzkonzerte.
Danach folgten unzählige LandArt Konzerte und das Orchester entwickelte kontinuierlich seinen eigenen Stil der Ortsbespielung. Ort, Musik und Choreografie bilden eine Einheit. Der gemeinhin leise Klang der Instrumente ist im öffentlichen Raum unaufdringlich, animiert zum Hinhören und Wahrnehmen nicht nur der Musik sondern auch der Umgebung. Durch die LandArt-Performance erscheint die Landschaft, in der sich die MusikerInnen bewegen plötzlich anders als gewohnt, wird zum Kunsterlebnis. Neben der musikalischen LandArt gibt das E.I.S. Konzerte gegen den Krieg. Jährlich trifft sich die Gruppe in Hamburg, Berlin und anderen Städten für Friedenskonzerte in ausgewählten Kirchen. Dann wird der Kirchenraum bespielt und es erklingt „Neue Musik“ für den Frieden.
www.erstesimprovisierendesstreichorchester.de
www.projekt-tune.de
Erstes Improvisierendes Streichorchester c/o Claudia Heinze, Krischa Weber, Fischers Allee 40a,22763 Hamburg, Fon/Fax 040 390 2446
www.erstesimprovisierendesstreichorchester.de
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