Festivalmotto:
Die Kunst der Improvisation

Wir freuen uns auf das vierte autumn leaves - Festival, denn es wird noch überraschender und vielfältiger sein, wie die Jahre zuvor. Improvisation: Die Plötzlichkeit der Entstehung, das Hervorspringen des vollkommenen Moments, die begeisterte Unruhe und Unordnung und ihre Auflösung in Stille und Harmonie, die wundergleiche Resonanz zwischen den Musikern...
Die Kunst der Improvisation ist vor allem Lebenskunst.
"Man muss immer so spielen, als ob man wissen würde, dass man keine zweite Gelegenheit mehr hat. Was ist dann wichtig? Dass du alle Töne richtig spielst? Dass die Kritiken gut sind? Nein. Wenn es deine letzte Vorstellung ist, dann ist es am wichtigsten, was du selbst dabei erfährst." sagt der große Improvisator am Piano Keith Jarrett.

Improvisationskunst bedeutet Risiko und Offenheit. Der Jazzmusiker Art Blakey bekennt sich zu diesem Abenteuer: "Ich bin kein Heuchler, ich mache Fehler auf der Bühne. Und meine Fehler sind laut. Aber das ist der Spaß an der Musik. Man lernt." Ob wir Situationen als Chaos oder als sensible Ordnung wahrnehmen, hängt wesentlich von dieser Kunst ab. Loslassen, Einfühlung, Flexibilität, Freude am freien Fall, Hingabe und weiche Strukturen sind dafür einige Stichworte. "Wir brauchen eine Musik, in der nicht nur die Töne einfach Töne sind, sondern auch die Menschen einfach Menschen, dass heißt keinen Regeln unterworfen, die einer von ihnen aufgestellt hat, selbst wenn es ’der Komponist’ oder ’der Dirigent’ wäre. Bewegungsfreiheit ist die Grundlage dieser neuen Kunst und dieser neuen funktionierenden Gesellschaft mit Menschen, die ohne Anführer und Oberhaupt zusammenleben.", sagt der Altmeister der "Neuen Musik" John Cage.

In verschiedenen Musikkulturen der Welt sind für diese Herausforderung vorbildliche musikalische Muster geschaffen worden. Eingeladen sind Musiker, die sich in dieser Kunst auskennen. Außerdem wird es wieder vielfältige workshops, Landschaftskunst, Meditation, Singen, Tanz und Raum für Begegnung geben. Das Thema Improvisation bedeutet viel Raum zum Mitmachen und gemeinsam die Musik fließen lassen können. In der großen Performance der Künstler und Gäste am Samstag Nachmittag werden wir die "Die Kunst der Improvisation" gemeinsam erfahren.
Warum improvisierte Musik?
(übernommen von www.exploratorium-berlin.de)
In unserer klassischen Musikkultur hat es sich eingebürgert, fast ausschließlich notierte Musik zu spielen. So wird ausgeblendet, was eigentlich die Urform der Musik ist und in vielen Ländern dieser Welt immer noch die wichtigste Musizierpraxis: das spontane
musikalische Spiel, die Improvisation.
Improvisieren bietet viele ungenutzte Möglichkeiten:
- Man kann auf allen musikalische Niveaus improvisieren lernen: als "blutiger" Anfänger ohne instrumentale Vorbildung und Notenkenntnisse ebenso wie als Profi und versierter Instrumentalist
- Gerade für musikalische Laien ist das Improvisieren erfahrungsgemäß eine Möglichkeit, eigene (häufig bisher verborgene) musikalische Fähigkeiten zu entdecken und weiter zu entwickeln
- Für geübte Musiker kann Improvisation ganz neue und reizvolle musikalische Erfahrungen vermitteln
- Besonders geeignet ist Improvisation für Menschen, die sich durch enge Vorgaben eingeengt fühlen und sich beim Formulieren eigener Gedanken besser entfalten können
- Improvisieren bietet Zugang zum eigenen musikalischen Ausdruck

- Musikimprovisation in der Gruppe ermöglicht gemeinsames Entdecken neuer Möglichkeiten und musikalischen Austausch im Spiel
- Improvisiert werden kann in jeder denkbaren und undenkbaren Besetzung
- Improvisierte Musik besticht insbesondere durch ihre Lebendigkeit und Authentizität. Das macht sie auch als Konzertform spannend.
weitere Zitate zur Improvisationskunst:
"Ich lehne die Unterscheidung zwischen Musik und Geräusch völlig ab, weil ich sie als unnatürlich empfinde. Eine Aussage, die sich dem Zuhörer mitteilt, kann man erfinden, indem man einen Ziegelstein auf eine Gitarre fallen lässt. Oder Bach spielt. Zwischen beiden Formen mache ich keinen Unterschied." Fred Frith
"All meine Noten, bringen mich nicht aus den Nöten." Ludwig van Beethoven
"Grosse Spieler haben immer von der Improvisation gelebt." Bernd Schuster, Fussballtrainer
"Wenn Du eine falsche Note erwischst, ist es die nächste Note, die sie gut oder schlecht macht." Miles Davis
"Improvisation ist ein gefährliches Geschäft." Derek Bailey, Jazzgitarrist
"Die Erschaffung von Musik ist etwas genauso Natürliches wie das Atmen. Ich glaube, dass Musik wirklich etwas freies ist und dass man sich an ihr erfreuen sollte, egal auf welche Weise." Ornette Colemann, Jazzmusiker
Das Festival nimmt am ersten internationalen "playing for change day" am Samstag den 17.09.11 teil. Playing for change ist eine Stiftungsinitiative von Musikern, die mit Musik die Welt verändern möchten, indem sie für Kinder in armen Ländern eine musikalische Ausbildung, die Anschaffung von Instrumenten, lokalen Instrumentenbau usw. unterstützt. Schaut euch dazu die wunderbaren Musikvideos an: www.playingforchange.org